top of page

Beispielrechnung Solar Mining im Einfamilienhaus

Autorenbild: Michael Kleine-Börger
Michael Kleine-Börger
21. Aug.
5 Min. Lesezeit

Eine Beispielrechnung für Solar Mining im Einfamilienhaus muss mehr leisten als einen Miner mit dem aktuellen Bitcoin-Kurs zu multiplizieren. Entscheidend ist, wie viele Kilowattstunden tatsächlich zeitgleich als PV-Überschuss verfügbar sind, welchen Wert diese Energie bei der Einspeisung hätte und wie lange die Hardware im Jahr sinnvoll läuft. Erst daraus entsteht eine belastbare Entscheidungshilfe.

Wer seinen Solarstrom nicht für wenige Cent einspeisen möchte, denkt verständlicherweise über zusätzliche Verbraucher nach. Ein ASIC-Miner kann dabei ein steuerbarer Lastverbraucher sein. Er ist aber kein Selbstläufer: Schwankende Mining-Erträge, Anschaffungskosten, Lärm, Wärme und die Leistungsgrenze des Hausanschlusses gehören zwingend in jede Rechnung.

Was eine brauchbare Rechnung berücksichtigen muss

Die wichtigste Denkregel lautet: Überschussstrom ist nicht kostenlos. Wenn Sie ihn nicht selbst nutzen, speisen Sie ihn ein und erhalten dafür eine Vergütung. Diese entgangene Vergütung ist der wirtschaftliche Strompreis des Miners. Sie ist deutlich niedriger als Ihr Netzbezugspreis, aber sie bleibt ein realer Kostenfaktor.

Daneben zählt nicht der theoretische Jahresertrag Ihrer PV-Anlage, sondern das zeitliche Profil. Eine 10-kWp-Anlage kann im Jahr beispielsweise 10.000 kWh erzeugen. Das heißt jedoch nicht, dass ein Miner diese 10.000 kWh nutzen kann. Im Winter fehlt oft der Überschuss, mittags im Sommer kann die PV-Leistung dagegen deutlich höher liegen als der Haushaltsverbrauch.

Für eine praxistaugliche Kalkulation brauchen Sie daher vier Werte: die nutzbaren Überschussstunden, die AC-Leistung des Miners, die Einspeisevergütung und einen realistischen, nicht schön gerechneten Mining-Ertrag. Hashrate und Effizienz in J/TH helfen dabei, Geräte miteinander zu vergleichen. Für die Wirtschaftlichkeit ist aber am Ende der Ertrag je eingesetzter Kilowattstunde maßgeblich.

Ausgangslage: 10-kWp-PV-Anlage und ein typisches Haus

Nehmen wir ein Einfamilienhaus mit einer 10-kWp-Photovoltaikanlage an. Die Anlage produziert jährlich rund 10.000 kWh. Der Haushalt benötigt 4.500 kWh Strom im Jahr und nutzt davon ohne Miner etwa 3.100 kWh direkt. Die restlichen 6.900 kWh fließen überwiegend ins Netz.

Das klingt zunächst nach reichlich Energie für Mining. In der Praxis begrenzt das Lastmanagement die Laufzeit: Der Miner soll nur dann einschalten, wenn die PV-Leistung nach Abzug des aktuellen Haushaltsverbrauchs ausreichend hoch ist. An wolkigen Tagen oder am Nachmittag wird er abgeschaltet, bevor Netzstrom bezogen wird.

Als Beispiel dient ein ASIC mit 3,5 kW AC-Leistungsaufnahme, etwa 170 TH/s Hashrate und einer Effizienz von rund 20,6 J/TH. Diese Werte stehen für eine moderne, leistungsstarke Geräteklasse. Ob ein konkretes Modell sinnvoll ist, hängt zusätzlich von Preis, Zustand, Garantie, Lautstärke und Verfügbarkeit ab.

Wir unterstellen, dass die PV-Steuerung 900 echte Volllaststunden pro Jahr ermöglicht. Das ist keine universelle Zahl, sondern eine vorsichtige Annahme für ein Haus ohne überdimensionierte PV-Anlage. Eine größere Süd-, Ost- und Westanlage oder ein Standort mit sehr gutem Lastprofil kann mehr Stunden erreichen. Bei Verschattung, hohem Tagesverbrauch oder ungünstiger Dachausrichtung können es deutlich weniger sein.

Beispielrechnung Solar Mining im Einfamilienhaus

Die elektrische Arbeit des Miners ergibt sich direkt aus Leistung mal Laufzeit:

3,5 kW × 900 Stunden = 3.150 kWh pro Jahr

Diese 3.150 kWh wären ohne Mining eingespeist worden. Bei einer angenommenen Einspeisevergütung von 8 Cent pro kWh liegt der wirtschaftliche Gegenwert bei 252 Euro im Jahr. Das ist die Mindesthürde, die das Mining zunächst übertreffen muss.

Für den Mining-Ertrag verwenden wir bewusst keinen festen Bitcoin-Preis. Stattdessen rechnen wir mit einem modellierten Bruttoertrag von 16 Cent je verbrauchter Kilowattstunde. Dieser Wert kann sich durch Bitcoin-Kurs, Netzwerk-Hashrate, Mining-Difficulty, Transaktionsgebühren, Pool-Ergebnis und Ausfallzeiten jederzeit verändern. Er ist eine Rechengröße, keine Zusage.

| Position | Rechnung | Betrag pro Jahr | |---|---:|---:| | PV-Strom für Mining | 3,5 kW × 900 h | 3.150 kWh | | Brutto-Mining-Ertrag | 3.150 kWh × 0,16 Euro | 504 Euro | | Entgangene Einspeisung | 3.150 kWh × 0,08 Euro | -252 Euro | | Poolgebühr, 1,5 Prozent | 504 Euro × 1,5 Prozent | -8 Euro | | Reserve für Lüfter, Wartung und Steuerung | pauschal | -70 Euro | | Verbleibender Betrag vor Anschaffungskosten | | 174 Euro |

Die Rechnung zeigt den entscheidenden Punkt sehr klar: Der Miner erzeugt unter diesen Annahmen einen Mehrwert gegenüber der Einspeisung, aber dieser Mehrwert ist klein. Er beträgt vor Kapitalkosten nur rund 174 Euro pro Jahr.

Nehmen wir für ASIC, Messung, Schalttechnik, Elektriker und eine sinnvolle Abluftlösung zusammen 3.200 Euro CapEx an, wäre eine einfache Amortisation auf Basis dieser Rechnung nicht attraktiv. 3.200 Euro geteilt durch 174 Euro ergeben mehr als 18 Jahre. Dabei sind ein späterer Gerätewert, mögliche Reparaturen und steuerliche Fragen noch nicht berücksichtigt.

Genau deshalb ist eine ehrliche Beispielrechnung wertvoller als ein pauschales Versprechen. Solar Mining kann den Eigenverbrauch erhöhen. Es wird aber nicht automatisch zur rentablen Investition, nur weil die PV-Anlage Überschüsse produziert.

Ab welchem Ertrag würde das Beispiel wirtschaftlich?

Angenommen, Sie möchten die 3.200 Euro Investition innerhalb von vier Jahren zurückverdienen. Dafür müssten jährlich 800 Euro zur Deckung der Anschaffungskosten übrig bleiben. Zusammen mit entgangener Einspeisung, Poolgebühr und Reserve müsste der Miner in diesem Beispiel etwa 1.050 bis 1.100 Euro Bruttoertrag pro Jahr erzeugen.

Bei 3.150 kWh Solarstrom entspricht das etwa 34 Cent Mining-Ertrag je kWh. Das liegt deutlich über der angenommenen Größe von 16 Cent. Die Lücke zeigt: Bei wenigen Laufstunden belastet die Hardware den einzelnen Solar-Kilowattstunden-Ertrag stark.

Das bedeutet nicht, dass ein Miner im Einfamilienhaus grundsätzlich ausscheidet. Es bedeutet, dass Dimensionierung und Laufzeit zusammenpassen müssen. Ein Gerät mit 3,5 kW, das nur an sonnigen Mittagen läuft, trägt seine Anschaffungskosten wesentlich schwerer als ein System, das über viele planbare Überschussstunden verfügt.

Die Hebel, die das Ergebnis wirklich verändern

Mehr PV-Leistung kann die Wirtschaftlichkeit verbessern, wenn sie nicht nur mehr Jahresertrag liefert, sondern tatsächlich zusätzliche Laufstunden ermöglicht. Eine 15- oder 20-kWp-Anlage mit gutem Überschussprofil kann einen Miner an deutlich mehr Tagen betreiben. Besonders Ost-West-Anlagen verlängern das Leistungsfenster gegenüber einer reinen Südausrichtung.

Auch die Gerätewahl ist zentral. Ein effizienterer ASIC senkt bei gleicher Hashrate den Strombedarf. Ein günstiger, älterer Miner kann beim Kauf attraktiv wirken, verliert aber durch einen höheren J/TH-Wert schnell an Boden. Vergleichen Sie deshalb nie nur Kaufpreis und Terahash, sondern immer AC-Leistung, Effizienz, erwartete Laufzeit und den erwarteten Ertrag pro eingesetzter kWh.

Ein intelligentes Energiemanagement schützt vor dem häufigsten Fehler: Netzstrom für Mining zu beziehen, weil eine Wolke die PV-Leistung kurz absenkt. Der Miner braucht eine klare Einschalt- und Abschaltlogik mit Leistungsreserve. Praktisch ist beispielsweise ein Start erst oberhalb einer definierten Überschussleistung und ein verzögertes Abschalten, damit kurze Schwankungen nicht zu unnötigen Neustarts führen.

Ein Batteriespeicher ist nicht automatisch die richtige Ergänzung. Solarstrom erst in den Speicher und später in den Miner zu schicken, verursacht Umwandlungsverluste und zusätzliche Batteriezyklen. Oft ist es wirtschaftlicher, den Miner direkt am momentanen Überschuss auszurichten und den Speicher für Haushaltsstrom, Abendverbrauch oder Notstromreserve zu priorisieren.

Technik und Alltag nicht ausblenden

3,5 kW Dauerlast sind im Einfamilienhaus kein Nebenthema. Prüfen Sie Elektroinstallation, Absicherung, Leitungsquerschnitt, Phasenverteilung und den verfügbaren Hausanschluss mit einer Elektrofachkraft. Ein Miner erzeugt außerdem erhebliche Abwärme und Geräusche. Keller, Garage oder Technikraum brauchen ein durchdachtes Konzept für Zu- und Abluft.

Die Abwärme kann im Winter einen Zusatznutzen haben, etwa in einem geeigneten Nebenraum. Sie ersetzt aber keine sauber geplante Heizung. Im Sommer wird sie sogar zum Problem, wenn die Wärme abgeführt werden muss. Rechnen Sie diesen Effekt nur dann positiv ein, wenn Sie ihn technisch und im Alltag wirklich nutzen können.

Auch steuerliche Behandlung, Dokumentation der Erträge und die Frage nach dem Betreiberstatus sollten Sie vor der Umsetzung individuell prüfen. Gerade bei regelmäßigem Mining und späteren Verkäufen digitaler Vermögenswerte sind pauschale Aussagen keine verlässliche Grundlage.

Der beste nächste Schritt ist kein Gerätekauf, sondern eine Messphase: Zeichnen Sie Ihren PV-Überschuss mindestens über mehrere Monate auf, simulieren Sie daraus mögliche Miner-Laufzeiten und rechnen Sie mit einem vorsichtigen Ertragsszenario. Wenn die Zahlen dann noch tragen, wird aus überschüssigem Solarstrom eine aktiv gesteuerte Energieentscheidung statt einer teuren Wette.

 
 
 

Kommentare


bottom of page